So Werden Fonds Geratet

Bevor einem Fonds ein prestigeträchtiges Standard & Poor's Fondsmanagement-Rating zugewiesen wird, muss ein Analystenteam diejenigen Punkte zusammenstellen, die eine solch herausragende Bewertung verdienen. Im Folgenden stellen wir dar, wie dieser Prozess funktioniert.

Der Standard & Poor's Ratingprozess wurde bereits mit Detektivgeschichten verglichen. Um einen Fonds zu bewerten, müssen die Analysten zunächst Indizien sammeln. Diese fließen dann in die Gespräche mit dem Fondsmanager und seinem Team ein, bevor ein Researchkomitee aus erfahrenen S&P-Analysten eine Entscheidung über das Rating des Fonds trifft. Ein Fonds, der ein Rating erhalten hat, wird in der Folge ständig überwacht und regelmäßig neu bewertet. Standard & Poor's-Analysten müssen bei den Analysen hohen Anforderungen genügen und Ratings vergeben, die einer gründlichen Prüfung standhalten.

Die erste Phase des Prozesses von Standard & Poor's dreht sich um die Frage vergangener Performance. Das ist ein Thema, zu dem viel Research betrieben wurde und zu dem trotzdem nur wenig oder gar keine Übereinstimmung erreicht wurde. Einige Lehrmeinungen gehen dahin, dass Performance in der Vergangenheit kein Hinweis auf zukünftige Performance gibt, während wieder andere von einer konsistenten Statistik ausgehen. Standard & Poor's glaubt, dass vergangene Performance ein hilfreiches Werkzeug darstellen kann, falls dieses als ein Teil der Analyse genutzt wird. Deswegen beginnt der Ratingsprozess mit der Analyse der Performance, um aus der Unmenge an Fonds diejenigen herauszufiltern, die bis dato die beste Performance gezeigt haben und die weiter untersucht werden sollen.

Bei der Bewertung der Performance eines Fonds werden dann diejenigen ausgewählt, die eine konsistente überdurchschnittliche Performance aufweisen. Diese Performance wird in absoluten risikoadjustierten Werten gemessen, so dass diese das jeweilige Risiko des einzelnen Fonds im Verhältnis zu anderen Fonds der Vergleichsgruppe widerspiegelt.

Dieser Vergleich mit anderen Fonds im selben Sektor ist absolut notwendig, da somit Gleiches mit Gleichem verglichen werden kann. Standard & Poor's stellt sicher, dass vergleichbare Fonds dem gleichen Sektor zugewiesen werden. Bei der Suche nach einem Oberklassewagen wird ein Porsche auch nicht mit einem VW Käfer verglichen, sondern eher mit einem Ferrari. Investoren verhalten sich genau gleich, da diese beispielsweise die besten europäischen Fonds vergleichen möchten. Die Performance wird über drei Jahre jeweils als diskrete Ein-Jahres-Zahlen verglichen, mit gleicher Gewichtung für absolute und risikoadjustierte Performance. Darüber hinaus werden Durchschnittswerte für sechs Monate berechnet, um kurzfristige Ausreißer in der Performance zu glätten und den zugrundeliegenden Trend zu identifizieren.

Lediglich die Top 20% der Fonds jeden Sektors werden für ein qualitatives Rating herangezogen. Eine gute Performance kann durchaus auf Glück und nicht auf einer guten Managementleistung beruhen. Investoren und deren Berater benötigen daher mehr als nur die Performance der vergangenen Jahre, um entscheiden zu können, ob ein Fonds konsistent deren Bedürfnisse erfüllen kann. Daher müssen zusätzliche Analysen durchgeführt werden, um bestimmen zu können, wie viel Glück und wie viel Können zu einer guten Performance beigetragen haben.

"Als Beispiel sei hier ein ASEAN Fondsmanager angeführt, dessen Performance darauf schließen ließ, dass er auch über Wasser laufen könnte. Wir fragten uns daher, wie das möglich wäre. Er hatte 57% seiner Werte in Hong Kong. Der Markt in Hong Kong hatte zwar überdurchschnittliche Leistungen gezeigt, aber er konnte sich kaum als ASEAN Fondsmanager bezeichnen - das war schlicht irreführend. Letztendlich musste der Fonds umbenannt werden in einen asiatischen Fonds", sagt die Leiterin des Equity Research bei Standard & Poor's, Linda-Jane Coffin.

Hat sich ein Fonds erst einmal für ein potenzielles Rating qualifiziert, führen die Analysten von Standard & Poor's eine sorgfältige Überprüfung der Hintergrunddaten durch. Eine Vielzahl der Informationen bezüglich der Fonds sind zwar jedem zugänglich, allerdings haben nur die wenigsten Investoren die Zeit, diese Informationen zu bewerten. In dieser Phase des Prozesses sammelt und analysiert Standard & Poor's all jene Informationen, die als Vorbereitung für die persönlichen Gespräche mit den Fondsmanagern notwendig sind, in denen die entscheidenden Fragen gestellt werden. Das Material, das dabei untersucht wird, umfasst Fondsprospekte und andere Marketingmaterialien, testierte Rechenschafts- und Zwischenberichte der letzten zwei Jahre Biographien aller am Fondsmanagement beteiligten Personen. Die Analysten werden darüber hinaus untersuchen, wo der Fonds registriert wurde, dessen Status, wo dieser beheimatet ist sowie eine Bewertung des Portfolios durchführen.

Der dritte Schritt ist der wichtigste Teil des gesamten Prozesses. Im Rahmen dessen interviewen die Analysten von Standard & Poor's das Managementteam des Fonds. Bei dieser Befragung der Fondsmanager und des gesamten Managementteams kommen die Erfahrung und die Qualifikationen der Analysten voll zum Tragen. Hier kann Standard & Poor's wirklichen Mehrwert schaffen und dem Rating von Fonds Bedeutung zukommen lassen. Die große Mehrheit der Finanzberater sind nicht in der Lage, persönliche Interviews mit allen wichtigen Fondsmanagern durchführen zu können. Dieser von uns durchgeführte Analyseprozess ist sehr wertvoll und Ausschnitte daraus sind kostenlos erhältlich.

Die Analysten von Standard & Poor's decken in ihren Gesprächen mit den Fondsmanagern und dem Managementteam drei Hauptbereiche ab. Diese beinhalten:

Fragestellungen zur Fondsmanagementgruppe

Hat die Gesellschaft eine ausreichend entwickelte Geschäftsstrategie? Ist die Unternehmung, die den Fonds managt börsennotiert oder in privaten Händen? Wer sind die wichtigsten Aktionäre? Ist die Unternehmung finanziell gesichert? Die Antworten zu diesen und weiteren Fragen haben großen Einfluss auf die Stabilität und die Entwicklung der Fonds einer Unternehmung. Jede Übernahme oder jeder Zusammenschluss kann das Fondsmanagement stören oder aber verändern. Das Geschäfts- und regulatorische Umfeld der Mutterfirma kann einen großen Einfluss ausüben. Ist die Unternehmung beispielsweise eine Firma, die Anteile ihrer Fonds auf Basis ihres Markennamens und der Beziehungen zu Zwischenhändlern und Investoren verkauft, kann es im Fall des Verlustes von wichtigem Personal sehr schnell zu einem Abfluss der Assets aus dem Fonds kommen. Hat die Unternehmung eine große institutionelle Kundenbasis, kann dies zu allen Zeiten zu enormen Mittelzuflüssen bzw. Mittelabflüssen führen. Die Größe einer Firma kann ebenfalls wichtig sein. Einige der Firmen sind sehr groß und etabliert, während andere kleine, neu gegründete Firmen erst noch ihre finanzielle Stärke, die überlebensnotwendig ist, demonstrieren müssen.

Das Fondsmanagementteam

Hier werden die Persönlichkeiten und Fähigkeiten der Personen, die den Fonds managen, sehr genau unter die Lupe genommen. Wie sieht deren Strategie aus? Folgen diese einer klaren und gut durchdachten Vorgehensweise? Welche Erfahrungen und Qualifikationen sind vorhanden und sind diese relevant für diesen Fonds? Wie gehen sie mit Risiko und dem Tagesgeschäft um? Halten sie die Balance zwischen einer unabhängigen Meinung und herrschenden Markttrends?

Investoren haben ganz unterschiedliche Anforderungen und die Prozesse, denen Fondsmanager und deren Teams folgen, unterscheiden sich zwangsläufig voneinander. Die verschiedenen eingesetzten Techniken funktionieren in einigen Märkten gut und in anderen wiederum nicht. Der Stil eines Fondsmanagers ist wichtig. Wenn "Growth"-Aktien- diese versprechen wenig oder keine Dividenden, um das Geschäft schneller wachsen zu lassen - im Markt gut dastehen, wird ein Teil der Fondsmanager gute Ergebnisse erbringen, während andere, die auf Value setzen, weniger gut abschneiden. Es ist wichtig für alle Investoren und deren Berater, dass ein Fonds klar und konsistent geführt wird. Standard & Poor's findet heraus, ob ein Fonds in der Art und Weise investiert, die im Prospekt festgelegt sind und weist auf bestehende Inkonsistenzen hin.

"Luxemburgische Fonds erlauben nicht mehr als 10% der Investitionen in einer einzelnen Aktie und nicht mehr als 40% der Aktien in den 10 größten Werten des Portfolios," sagt Coffin.

"Wir besuchten eine Fondsmanagementgesellschaft, deren Anlagekultur konservativ und am Index orientiert war. In einem der Fonds machte eine einzelne Aktie 18% eines in Luxemburg beheimateten Portfolios aus. Der Fondsmanager hatte eine der Vorgaben einfach vergessen und nach Ansicht des CIO war man hier lediglich 4% über der Grenze, was seiner Aussage nach doch nicht schlimm wäre. Diese Missachtung der Richtlinien war ein Problem."

Einige Fondsmanagementfirmen legen großen Wert darauf, dass ihre Fonds von einzelnen Managern geführt werden, während wiederum andere Firmen wollen, dass diese von einem Team geführt werden. Die letztere Methode würde gewährleisten, dass ein Fonds immer in derselben Art und Weise geführt wird, auch wenn ein Teammitglied ausscheidet. Standard & Poor's betrachtet die Anreize für die Manager und das Team bei einem Fonds zu verbleiben - wie Boni und Aktienoptionen - und ob diese zur Unternehmenskultur passen. Standard & Poor's gibt hierbei keinem der beiden Ansätze den Vorzug, da es erfolgreiche Beispiele für beide gibt.

Es ist darüber hinaus wichtig zu erfahren, wie viele Freiheiten den individuellen Managern und Teams bei der Führung von Fonds zugestanden werden. Einigen wird zugestanden, weniger unterschiedliche Aktien zu halten und damit ein größeres Risiko einzugehen, um die Leistung zu steigern. Andere unterliegen vielleicht strengen Kontrollen bezüglich Risiko und Aktien, in die investiert werden darf. Die anderen Verantwortlichkeiten eines Fondsmanagers werden ebenfalls bewertet. Wie viele weitere Portfolios führt der Manager und haben diese unterschiedliche Investitionsmandate? Wie viel Zeit wird auf das Marketing der Fonds verwendet?

Der Researchprozess des Fondsmanager und dessen Team wird bewertet. Verlassen sich diese auf Informationen von Brokern, die über die letzten Jahre hinweg dafür kritisiert wurden, dass sie die Aktien ihrer Geschäftskunden empfohlen hatten? Wurden darüber hinausgehend Informationen aus einer genügend großen Anzahl von Unternehmensbesuchen gesammelt? Und wird der Fonds im selben Land oder derselben Region gemanagt, in der er investiert? Falls dies nicht der Fall sein sollte, hat dann das Managementteam genügend Wissen zu diesem lokalen Markt oder profitiert es gar davon, einen gewissen Abstand zu haben? Auch hier gilt wieder die Devise, dass Standard & Poor's weder den einen noch den anderen Ansatz favorisiert, da es erfolgreiche Beispiele für beide Ansätze gibt.

Fondsspezifika

Die Analysten von Standard & Poor's betrachten auch die kleinsten Details der einzelnen Fonds genau: Größe, Umschlaghäufigkeit, Abwicklung von Kauf und Verkauf von Aktien, Aufnahme von Darlehen zur Investition oder Nutzung finanzieller Instrumente wie Derivate und Gebührenstruktur. Die Analysten betrachten dabei den Fonds über das gesamte letzte Jahr hinweg um feststellen zu können, wie das Fondsvolumen sich entwickelt und ob die Größe einen Einfluss auf die Performance hatte. Hat sich der Investmentstil des Fonds geändert? Konnte er eventuelle große Mittelabflüsse von Investoren bedienen?

Nachdem alle notwendigen Informationen ausgewertet wurden, stellen die Analysten die Ergebnisse und Analysen zum Fonds und dem Fondsmanagement dem Ratingkomitee vor. Detailliertere Informationen zu dieser Phase des Prozesses entnehmen Sie bitte der Seite 12. Das Ratingkomitee bestehend aus erfahrenen Analysten bewertet und beurteilt sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte des Fonds und vergibt im Ergebnis ein Fondsrating oder auch einen "Not Rated" Status. Dabei werden die Ergebnisse der Performanceanalyse mit 30% gewichtet und die Ergebnisse der Interviews mit 70%. Die Qualität des Fondsmanagements ist entscheidend für die Beständigkeit der Performance. Im Resultat entsteht eine weitaus beständigere Schlussfolgerung als im Vergleich zu einer Analyse die nur auf Performancewerten beruht.

Der Prozess endet allerdings nicht mit der Vergabe des Ratings durch das Komitee. Standard & Poor's hat ein spezielles Team, welches jeden Fonds ständig überprüft und Nachrichten täglich auf ihre eventuellen Auswirkungen auf diese Fonds verfolgt. Diese Analyse kann dazu führen, dass ein Rating ausgesetzt oder verändert wird. Darüber hinaus werden Fonds jedes Jahr wieder aufs neue bewertet, Quartalsberichte werden verfasst und monatliche Performance-Auswertungenwerden durchgeführt. Investoren und deren Berater benötigen rechtzeitig relevante Aktualisierungen und Analysen, um darauf basierend Investitionsentscheidungen treffen zu können. Dabei spricht für sich, dass 70% der von Standard & Poor's bewerteten Fonds in den folgenden zwei Jahren nach einer Ratingvergabe gleichrangige Fonds outperformen und ihre Ratings sehr viel länger beibehalten (ungefähr zwei Jahre lang) als Bewertungen, die rein auf Performance aufbauen.

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